Mut zur Ungewissheit und zum Unbekannten

Mut zur Ungewissheit und zum Unbekannten

Woher kommt es nur, dass wir immer wissen wollen was als nächstes kommt?
Das „alles immer planen wollen“, dieser Sicherheitskontrollwahn, der uns ins Äußere der Perfektion treibt, sogar soweit, dass wir nicht nur uns sondern auch andere versuchen zu kontrollieren. Mut zur Ungewissheit und zum Unbekannten?

Manchmal macht es uns schier verrückt,
nicht zu wissen was als nächstes kommt.

Als ich Kind war, hat mich ein Ereignis sehr geprägt. Ich liebte Überraschungen über alles, aber genauso hat mich diese Vorfreude, wenn ich wusste, dass etwas an einem bestimmten Tag passieren sollte, nahezu umgebracht. Ich habe praktisch nur noch auf diesen einen Tag hin gefiebert. Das war ein Gefühl, wow. Mein ganzer Körper hat schier gekitzelt und in meinem Bauch waren tausende von Schmetterlingen. Fast gar nichts mehr konnte mich zu Ruhe bringen, und ich glaube auch zum Leidwesen meiner Mutter, auf dem Stuhl halten oder gar mich bändigen.

So aufgedreht war ich vor dem Geburtstag, vor einem Ausflug… und auch vor Weihnachten … besonders vor Weihnachten.

Ich weiß gar nicht mehr, was mich darauf gebracht hat, ob es eine Schulkameradin, mein Bruder oder meine Freundin war… (wahrscheinlich habe ich sie alle gleich viel verrückt gemacht ; )
… die mir den Tipp gab, einfach mal im Haus zu suchen. Irgendwo wären die Geschenke bestimmt geparkt und ich wüsste dann, wenn ich sie finde, ob auch das, was ich beim Christkind bestellt, hatte dabei war.

„Sichere Sache“ war der Tipp, „mach ich auch so, dann weiß ich ob noch mal dringlicher nachbestellen muss.“ Gesagt getan. Und so machte ich mich auf die Suche. Ich nutze die Momente an denen ich unbeobachtet im Haus war aus und begab mich voller Freude auf die große Suche. Erst fand ich nichts, machte mir aber auch nichts, weil ich ja soviel Freude aufgetankt hatte. So suchte ich weiter und je tiefer ich kramte, siehe da, irgendwann, stieß ich bei meiner Suche im Kleiderschrank, ganz hinten, sehr sehr gut versteckt, auf ein Buch.

Das Buch. Es konnte nur für mich sein.

Aber ich hatte es nicht bestellt. Es war mir gar nicht bewusst, dass es dieses überhaupt Buch gab. Tatsächlich war es jedoch genau ein Buch, was wie Faust aufs Auge zu mir passte, es war auf mich zu geschnitten. Ich hielt dieses Buch in den Händen und für einen kurzen Moment war diese Freude da. Aber ­nur sehr kurz. Dann wurde ich sehr traurig. Es war nicht die ausgeflippte Freude, die ich am Weihnachtsabend fühlte, wenn ich voller lebendiger Begeisterung meine Geschenke auspackte. Und es fühlte sich auch nicht wie diese riesengroße Überraschung an, die mich mich sonst aus den Schuhen haute, weil ich so gar nicht damit gerechnet hatte… und es war nicht der warme Schauer von Liebe, den ich sonst dabei fühlte, weil jemand an mich gedacht hatte und etwas für mich mit liebevollen Gedanken ausgesucht hatte.
Nein, das alles war nicht dabei.

Was allerdings da war, war ein unbehagliches Gefühl, ein Gefühl von Verrat, ich fühlte mich schlecht und traurig.

Ich hatte nicht nur mir die Freude genommen, sondern ich hatte auch jemand anderem die Freude gestohlen. Und wie ich das Buch so in den Händen hielt, musste ich weinen. Ich wollte es zurücklegen und auch schnell vergessen, das es da war, damit ich mich genauso unverhofft freuen konnte. Ich wollte das Feuerwerk an Heiligabend erleben das explosionsartig mein aufgesammeltes Kribbeln heraus ließ. Die unbändige Freude sprunghaft, ungezwungen, unbekümmert und ausgelassen herauslassen.
Jedes noch so kleine Geschenk feiern, wie immer. Alles sollte einfach so wie immer sein!

Aber diese Weihnachten war der Glitzer verschwunden.

Selbst die Lichter, die funkelnd durch die grüngelbe Riffelscheibe unserer Wohnzimmertür wie Sterne nach draußen flimmerten, brachten diese Gefühle nicht zurück. Ich hatte mich betrogen und ich hatte jemanden, der mich sehr, sehr lieb hatte betrogen.
Und ich wusste auch, dass das Christkind so nicht mehr wieder kam.
Passiert es nicht genau ebenso, wenn wir alles planen, konstruieren, kontrollieren, steuern und wissen wollen?

Das Unbekannte und Ungewisse kann so magisch sein.

Mut zur Ungewissheit und zum Unbekannten! Das Nichtwissen kann so viel Schönes in sich verborgen halten. Mal nicht planen und auf das Leben einlassen kann soviel liebevolle Überraschungen in sich verbergen. Die positive Dinge in deinem Leben aufbauen und dich bereichern mit Liebe, Wachstum, Reife …
Oft zerstören wir all dieses Funkeln und Glitzern und die Magie des Moments, weil wir vor Angst alles konstruieren, planen und steuern.

Wer hat eigentlich festgelegt, dass Nichtwissen negativ ist?
Warum wollen wir alles immer planen?
Warum rauben wir uns das Abenteuer?

Die Ungewissheit ist prickelnd, wie die Vorfreude am Weihnachtsabend. Sie ist wie die Liebe zu etwas Neuem zu jemand Neuem. Mutschmetterlinge wollen fliegen. Sie nehmen dich liebevoll mit auf Ihre Reise in das Leben.
Nichtwissen macht das Leben spannend und ich…? Ich lese niemals wieder bei einem Krimi das Ende zu erst ; )

Was war dein schönstes Abenteuer?
Was war deine schönste Begegnung mit der Ungewissheit?

Hab Mut zur Ungewissheit und zum Unbekannten. Das Leben ist ein Abenteuer, lass dich darauf ein. Lass deine Schmetterlinge fliegen. Bring deinen Stern zum Leuchten.
LouLou

Voller Vertrauen und Mut gehe ich über alte Grenzen hinweg und wage Neues.
Ich vertraue dem Leben.

zum Artikel: Bring dich in die Welt

  1. Ingrid Laege

    So ein wunderschöner Beitrag!
    Liebe LouLou mach weiter so, ich freue mich jeden Tag auf deine tollen Berichte, Ratschläge und Lebenserfahrungen.
    Liebe Grüße
    Ingrid

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